Welche Empfindungen kommen in dir hoch, wenn dein Chef sagt: „Komm doch nächsten Montag mal zum Feedback-Gespräch“? Wirst du etwas nervös, spürst du ein Gefühl von Unsicherheit, Druck oder Enge? Oder freust du dich, bist positiv erregt und neugierig? Vielleicht sogar beides gleichzeitig?
Warum ist Feedback so ein sensibles Thema?
Bei den meisten Menschen zählen diesen Rückmeldungen zu den unbeliebtesten Gesprächen im Arbeitskontext. Ich kann nur sagen, mir ging es lange Zeit ähnlich. Warum ist das so? Überall ist doch von Feedback-Kultur, Learning and Development, persönlicher Weiterentwicklung usw. die Rede. Und es stimmt ja auch, eine gute Rückmeldung kann helfen, fördern und weiterbringen. Wenn das Gespräch aber nicht so toll verläuft, kann es auch sehr irritieren oder Widerstand auslösen.
Die Tendenz, Feedback-Gespräch zu vermeiden, betrifft obendrein nicht nur diejenigen, die die Rückmeldung bekommen, sondern genauso die Feedback-Gebenden. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Der eine ist ein sozialer Aspekt: Wir Menschen sind Beziehungswesen und als solche normalerweise schon intuitiv darum bemüht, Konflikte zu vermeiden. So haben viele von uns Angst davor, mit einer (kritischen) Rückmeldung das sprichwörtliche „Fass aufzumachen“.
Der zweite Punkt betrifft eine zentrale Funktionsweise unseres Gehirns. Es liebt und sucht nämlich schnelle Belohnungen, bei denen z.B. Dopamin ausgeschüttet wird. Kritisches Feedback zahlt sich aber eher auf mittlere oder lange Sicht aus, denn Verhaltensänderungen brauchen Zeit. Unser Gehirn agiert somit nicht gerade als Treiber für Feedback-Gespräche.
Drittens laufen bestimmte Prozesse im Gehirn ab. Seit ich diese kenne, fällt es mir viel leichter, meine unwillkürlichen (Stress-)Reaktionen und Gefühle in Feedback-Situationen zu verstehen. Schauen wir uns das einmal näher an …
Was passiert bei kritischen Rückmeldungen im Gehirn?
Wenn es um Feedback geht, agieren zwei Regionen im Gehirn wie Gegenspieler. Wir haben das limbische System, das Verbundenheit und Zugehörigkeit sucht und stark auf emotionaler Ebene reagiert. Und wir haben den präfrontalen Kortex, der unsere Entwicklung und unser Lernen fördern möchte.

Wenn wir nun eine kritische Rückmeldung bekommen, möchte der präfrontale Kortex unsere Fehler und Schwächen betrachten, sodass wir daraus lernen können. Das limbische System mit seiner „Alarmanlage“ (Amygdala) kann die Rückmeldung jedoch als Bedrohung wahrnehmen. Die emotionale Bewertung von Informationen im Gehirn erfolgt 20 bis 30 Millisekunden schneller als die bewusste rationale Einordnung. Daher spüren wir schon Abwehr oder unangenehme Gefühle, bevor unser präfrontaler Kortex uns melden kann, dass alles halb so schlimm ist.
Wenn die Amygdala das Feedback als Gefahr interpretiert, werden im Gehirn ähnliche Netzwerke aktiviert wie bei sozialer Zurückweisung oder körperlichem Schmerz. Wirklich unangenehm. Haben wir obendrein häufiger ungute Gespräche dieser Art erlebt, merkt sich das limbische System die „Bedrohung“ erst recht und die Reaktion kann noch stärker ausfallen.
Wenn du an das SCARF-Modell aus meinen früheren Beiträgen zurückdenkst, kannst du dir sicherlich vorstellen, dass bei ungutem Feedback Grundbedürfnisse unter Druck geraten, z.B. unser Bedürfnis nach Autonomie, Anerkennung und Zugehörigkeit. Und wieder reagiert unser Körper, genauer gesagt das vegetative Nervensystem, vor dem analytischen Verstand: Unsere Wahrnehmung verengt sich, wir hören nicht mehr differenziert hin, sondern hören vor allem Kritisches und nehmen keine Nuancen mehr wahr.
Feedback ist hochemotional
Es ist also kein Wunder, wenn wir Feedback-Gesprächen mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Da hilft es auch nicht, wenn die Feedback gebende Person versichert, dass das Feedback doch gut gemeint war. Oder dass wir die Hinweise „rein rational betrachten“ sollten. So sehr das im Einzelfall stimmen mag, die ungünstige Wirkung auf unser Nervensystem ist längst eingetreten.
Eine gute Absicht reicht also nicht und eine rein sachliche Betrachtung ist unmöglich. Feedback löst immer und vor allem eine emotionale Wirkung aus, daher ist es so wichtig, wie wir Feedback geben.
Die gute Nachricht ist: Hilfreiches, konstruktives Feedback, das unterstützend wirkt und zum Lernen einlädt, ist machbar. Wie es aussehen kann, schauen wir uns im nächsten Beitrag genauer an. Außerdem gehe ich demnächst noch darauf ein, wie man als Feedback-Empfänger*in wirklich ins Lernen kommen kann und welche Aspekte eine echte Feedback-Kultur im Unternehmen fördern.

