Warum gute Teamworkshops sich Zeit für das Miteinander der Gruppe nehmen
Du kennst es vielleicht: Vorstellungsrunden und Erwartungsabfragen sind Klassiker zum Einstieg in Workshops und Trainings. Es geht zwar auch deutlich kreativer und interaktiver, der Grundgedanke ist aber korrekt. Wenn wir uns zum Einstieg ausreichend und fundiert Zeit für die Verbundenheit der Gruppe nehmen, fällt die Erarbeitung der „eigentlichen“ Themen anschließend umso leichter. Warum ist das so?
Eine gute Beziehungsebene bzw. Verbundenheit unter den Teilnehmenden hat nach meiner Erfahrung immer positive Effekte auf die Arbeitsergebnisse im Workshop. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein Gefühl der Zugehörigkeit im Gehirn die Areale für Motivation, Kreativität und Lösungsorientierung aktiviert und so gelingt die inhaltliche Arbeit einfach besser. Umgekehrt wirkt sich ein gelungener Workshop wiederum positiv auf die Verbundenheit des (Führungs-)Teams aus. Das hat in der Regel auch später im Arbeitsalltag noch spürbare Effekte auf die psychologische Sicherheit genauso wie auf eine effiziente Zusammenarbeit der Beteiligten.
Doch diese Effekte kommen nicht von alleine, wir müssen etwas dafür tun. Denn jeder Team- oder Führungskräfteworkshop ist zunächst einmal eine Veränderung im Vergleich zum Alltag. Das veränderte Setting bringt zwangsläufig ein etwas anderes soziales Miteinander mit sich. Hinzu kommen ggf. Faktoren wie eine unbekannte Moderationsperson, ungewohnte Inhalte, Abläufe und Arbeitsweisen.
Wenn du in diesem Blog schon frühere Beiträge gelesen hast, kennst du das SCARF-Modell von David Rock. Legen wir dieses zugrunde, könnten z.B. die Grundbedürfnisse nach Status, Sicherheit oder Autonomie verunsichert sein: Im Tagesgeschäft respektiert mich jeder wegen meiner Kompetenz – wie wird das hier sein? Was kommt an diesen ein oder zwei Tagen auf mich zu? Bin ich überhaupt freiwillig hier oder fremdbestimmt?
In jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer sieht es anders aus. Meistens freuen sich viele auf den Workshop und gehen die Veranstaltung sehr positiv an. Doch leichte Verunsicherung zu Beginn ist ganz normal und wir können niemandem hinter die Stirn schauen.
Workshop-Elemente für mehr Verbundenheit
Es ist zunächst wichtig, allen Teilnehmenden ein gutes Ankommen zu ermöglichen sowie Orientierung und Sicherheit herzustellen.
Ein weiteres wichtiges Element in der Einstiegsphase ist für mich, kurz Transparenz darüber zu schaffen, wie die Personen im Raum gerade emotional gestimmt sind. Dies hilft allen, spätere (Wort-)Beiträge besser einzuordnen. Hier kann man z.B. sehr gut mit Bildkarten, einem persönlichen Wetterbericht oder dem „Emotionscanner“ arbeiten. Auch stressige oder konflikthafte Situationen kann ich als Moderatorin nach einem solchen Einstieg besser antizipieren, sie werden aber generell unwahrscheinlicher, weil mehr Offenheit und Verständnis untereinander entstehen.
Ebenso wichtig kann der Aufbau von bzw. die Vertiefung des gegenseitigen Vertrauens sein, vor allem bei Gruppen, die sich noch nicht lange kennen. Dies gelingt z.B. über das Entdecken von Gemeinsamkeiten, kleine Energizer oder größere Simulationen bzw. Lernprojekte. Wenn die Teilnehmenden Vertrauen zueinander fassen, werden sie im Workshop voraussichtlich konstruktiver zusammenarbeiten und leichter Kompromisse schließen. Und diese Erfahrung nehmen sie später in den Arbeitsalltag mit.
Damit ist der Anfang gemacht. Wenn du jetzt noch regelmäßig kleine Möglichkeiten schaffst, dass dein Team auch im Alltag ähnliche Erfahrungen wiederholen kann, wirst du merken, dass sich die positiven Effekte weiter verstärken.
Nehmt euch als Zeit für die das Miteinander und das Zusammenwirken der Gruppe – es lohnt sich!

