Wirksames Feedback lädt zum Lernen ein – so gelingt‘ s

Wirksames Feedback lädt zum Lernen ein

Wenn du diesen Blog verfolgst, hast du bestimmt längst gemerkt, dass die Neurobiologie mein Steckenpferd ist. 😉 Ja, es stimmt, ich komme schon wieder mit ihr um die Ecke, dieses Mal, weil sie uns helfen kann, wirksames Feedback zu geben. Damit meine ich eine Rückmeldung, die uns wirklich weiterbringt und zum Lernen einlädt.

Wir haben im vorherigen Beitrag schon gesehen, dass Feedback eine sensible Sache ist, weil unser Nervensystem schnell eine mögliche Gefahr wittert. Bei positivem Feedback kann man nicht viel falsch machen, daher beziehen sich meine folgenden Aussagen vor allem auf kritische Rückmeldungen. Wenn du sie auch bei positivem Feedback berücksichtigst, verstärkst du aber sehr wahrscheinlich die gute Wirkung noch. Was macht also den Unterschied, worauf kommt es an?

Ein entspanntes Setting ist die Grundlage für wirksames Feedback

Der erste Schritt zu einem Feedback, das eine positive Wirkung entfaltet, ist sicherzustellen, dass es überhaupt beim Gegenüber ankommt. Rückmeldungen wirken am ehesten, wenn die Empfänger*in entspannt und positiv gestimmt ist. Um aufgeschlossen gegenüber Feedback zu sein, braucht es vor allem psychologische Sicherheit. Wenn du merkst, dass dein Gegenüber nervös oder unruhig wirkt (was wirklich oft der Fall ist), gönnt euch Zeit, um in der Situation anzukommen. Ein gestresstes Gehirn muss sich beruhigen dürfen.

Möglichkeiten für eine sichere Umgebung sind z.B.

  • Feedback vorher ankündigen (gleichzeitig nicht zu viel Vorlauf, um Kopfkino zu vermeiden)
  • Ruhige, ungestörte Atmosphäre
  • Auch die Feedback gebende Person sollte entspannt sein!
  • Smalltalk zu Beginn, der Verbundenheit und Vertrauen fördert
  • Gute Vorbereitung auf das, was du sagen möchtest

Wenn dein Nervensystem beruhigt ist, hat das ohne viel Anstrengung einen positiven Einfluss auf deinen Tonfall, deine Haltung und die Art und Weise, wie deine Botschaften beim Gegenüber ankommen. Apropos Haltung. Meine Coaching-Ausbilderin, die wunderbare Christiane Windhausen, spricht gerne von der Haltung des „noble friend“. Diese beinhaltet eine wohlwollende Grundhaltung gegenüber der anderen Person kombiniert mit der Bereitschaft, sie auch praktisch zu fördern oder zu unterstützen.

Das Feedback soll deinem Gegenüber nutzen

Ich tue mich schwer, bei Feedback von Gesprächs-„Techniken“ zu sprechen, weil die Atmosphäre und die Emotionsregulation so einen großen Einfluss haben. Gleichzeitig gibt es natürlich Formulierungen und Inhalte, die angemessener und hilfreicher sind als andere.

Ein gutes Feedback

  • beschreibt klar und konkret Beobachtungen anstatt zu bewerten („Mir ist aufgefallen …“).
  • macht keine normativen Vorgaben („Man macht das aber so …“), sondern fördert die Selbstwirksamkeit der Gesprächspartnerin bzw. des Gesprächspartners, indem es dem Gehirn die Möglichkeit gibt, selbst Lösungen zu entwickeln.
  • beschreibt bescheiden die Wirkung auf einen selbst („Das wirkt auf mich …“), anstatt sich ein Urteil über die Persönlichkeit des Gegenübers zu erlauben.
  • berücksichtigt den individuellen Kontext, statt externe Maßstäbe anzulegen oder zu vergleichen.
  • lässt der Empfängerin bzw. dem Empfänger die volle Autonomie, d.h. sie oder er kann entscheiden, was sie oder er aus dem Feedback für sich machen möchte. Und das bitte nicht als Floskel, sondern ehrlich gemeint.

Wirksames Feedback erfüllt Grundbedürfnisse

Hast du beim Lesen zwischen den Zeilen auch an das SCARF-Modell gedacht? Meiner Ansicht nach gibt es hier viele Anklänge:

Ein gelungenes Feedback hat viel mit Augenhöhe und Achtung zu tun (-> Status). Weiterhin ist ein Gefühl von Sicherheit wichtig, um überhaupt empfänglich für Feedback zu sein (Certainty). Die Person, die das Feedback bekommt, soll Schritte für sich aus dem Feedback ableiten oder Lösungsideen entwickeln dürfen (Autonomy). Darüber hinaus fördert ein gelungenes Feedback die Verbundenheit und das Vertrauen untereinander (Relatedness) und schließlich sollen natürlich dieselben Regeln für alle gelten, z.B., dass man wertschätzend miteinander umgeht etc. (Fairness).

Insgesamt können wir festhalten, dass ein beruhigtes Nervensystem bei beiden Gesprächspartner*innen die Basis für ein wirksames Feedback darstellt. Wenn du dann noch deine Worte aus einer wertschätzenden Haltung heraus mit etwas Bedacht wählst, wird es sicherlich gut funktionieren. Das I-Tüpfelchen wäre, die Problemlöseareale im Gehirn deines Gegenübers zu aktivieren.

Zum Abschluss habe ich noch ein Formulierungsbeispiel für dich. Du kannst ja mal für dich prüfen, ob es die Kriterien erfüllt oder wie es noch besser ginge:

„Du hast mir ja gestern (zeitnah) dein Arbeitsergebnis zum Thema X (konkret) gemailt. Ich habe es mir in Ruhe angeschaut (Würdigung). Mir persönlich fehlt dabei noch der Aspekt Y (Wirkung). Ich glaube, dieser ist für das Gesamtverständnis wichtig. Hast du einen Vorschlag, wie wir das noch mit aufnehmen könnten (Handlungsorientierung)?“

Schreib mir gerne auch deine Formulierungsbeispiele, diese nehme ich dann als Anregung für andere Lesende hier mit auf.